Gemeinde-
und Bezirkssuche

Persönliche Gottesdienstvorbereitung der Dienstleiter

12.10.2020

Nach dem ersten Teil «Besuch im Ämterzimmer» folgt heute der zweite Teil mit Fragen zur persönlichen Gottesdienst­vorbereitung. Frank als Leiter Jugend im Bezirk und Marc als Priester in der Gemeinde Basel wurden interviewt und gaben aufgeschlossen Antworten.
 
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  1. Wenn Du weisst, dass Du am Tag X den Gottesdienst halten darfst, wie bereitest Du Dich darauf vor? Ist das ein Prozess, der sich über längere Zeit hinzieht, oder fokussiert Du das auf einen bestimmten Zeitpunkt?

    Frank: Wenn ich den Gottesdienst zu halten habe, fängt die Vorbereitung direkt nach dem letzten Gottesdienst an. Beten, Leitgedanken lesen und wirken lassen. Es gibt immer irgendetwas, dass dann einen besonderen Bezug zum Wort hat oder besondere Gedanken auslöst. Etwas kürzer vor dem Gottesdienst kommt dann die direkte Vorbereitung: Ich studiere Kontext und Hintergrund und nehme mir ganz explizit Zeit, in das Wort einzusteigen und «zu graben». Schön ist es, wenn die Vorbereitung zu einer besonderen Berührung oder Bewegung führt – dann ist eine gute Basis für den Gottesdienst gelegt.

    Marc: Bei mir gibt es immer einen bestimmten Zeitpunkt – meist ist es eine Stunde – in der ich mich aktiv und konzentriert mit dem Wort auseinandersetze. Dies ist normalerweise in den Tagen vor dem Gottesdienst der Fall. Häufig schaue ich aber schon länger vorher einmal kurz das Textwort an.


  2. Als Grundlage zum Gottesdienst gibt es ja das Bibelwort und die Leitgedanken als Zugang und Sinnlinie. Gibt es auch zusätzliche Inspirationsquellen zur Vorbereitung?

    Frank: Ja, ich greife gerne wahllos in meine Sammlung der Zeitschriften «Unsere Familie» oder «Spirit» und lese, worauf ich gerade stosse. Oder ich schaue mich auf nac.today um oder sehe mir YouTube Videos von Stammapostelgottesdiensten oder Jugendtagen an. Meistens (eigentlich immer) gibt es auch daraus spannende Impulse. Und als Quelle für historische Zusammenhänge und Sachverhalte ist auch das Internet bestens geeignet.

    Marc: Neben der Bibel und den Leitgedanken konsultiere ich gerne den Katechismus und – so banal es tönt – auch einfach Mal das Internet.


  3. Wie ist das, wenn Du zum Textwort keinen Zugang findest, oder es Dir nicht zusagt? Was machst Du dann? Kannst Du Dich auch austauschen im Gespräch und Dich so inspirieren lassen?

    Frank: Dann habe ich vielleicht noch nicht tief genug gegraben – und grabe weiter ;-). Einen Austausch im Gespräch kann es durchaus Mal geben. Oft entstehen solche Gespräche ganz ungeplant.

    Marc: Ja, das gibt’s. Sehr hilfreich sind dann Kontakte zu anderen Priestern und Vorangängern. Manchmal zeigt es sich, dass auch dort das Wort «Mühe» machen kann. Trotzdem ist es immer wieder schön zu sehen, dass das Wort im Gottesdienst dann doch besser ankommt, als man es befürchtet hat.


  4. Ich denke, dass es nicht immer einfach ist, Herz und Kopf freizumachen für den Gottesdienst. Wenn man vielleicht einen stressigen, unangenehmen Tag gehabt hat, oder sonstige Sorgen hat. Wie machst Du Dich frei für den Gottesdienst? Hast du ein bestimmtes Rezept oder Ritual dafür?

    Frank: Rechtzeitig mit dem Alltag abschliessen und sich vor dem Gottesdienst Zeit nehmen. Oder aber versuchen, den Alltag schon in Richtung des Gottesdienstes zu biegen. Klappt aber nicht immer ;-).

    Marc: Gut ist, wenn ich nicht zu knapp in das Ämterzimmer komme, da ich dort meist gut «abschalten» kann. Aber manchmal klappt auch das nicht. In meinem Erleben war der Kopf aber spätestens beim Eintreten in den Kirchensaal bei Gottesdienstbeginn frei.


  5. Was bedeutet Dir das Treffen mit den Amtsträgern vor dem Gottesdienst? Ich habe das heute so wahrgenommen: Es wurden im Ämterzimmer etliche organisatorische Sachen besprochen und man hat sich relativ spät auf den Gottesdienst fokussiert (dafür aber intensiv). Ist das immer so?

    Frank: Ich würde sagen, es ist immer ein Kampf, dass die organisatorischen Themen nicht Überhand nehmen – die sind halt meistens dringend und sehr konkret. Schön aber, wenn dann doch die Fokussierung auf den anstehenden Gottesdienst gelingt – was meistens geschieht.

    Marc: Das ist sehr unterschiedlich. Je dringender oder je mehr organisatorische Fragen im Raum stehen, desto weniger Zeit steht leider für das Fokussieren auf den Gottesdienst zur Verfügung. Aber zum Glück gibt es nicht immer so viele solcher Fragen im Vorfeld.


  6. Was ist für Dich sonst noch wichtig bezogen auf die Vorbereitung?

    Frank: Eigentlich eine triviale, aber doch sehr eindrückliche Erkenntnis: Die Intensität des Gottesdiensterlebens hängt ganz massgeblich von der Intensität der Vorbereitung ab. Die wäre eigentlich immer gut, auch wenn man nicht den Gottesdienst halten muss :-).

Bericht und Foto: esc